Der Text zum Thema “Hitzeschutz in Kitas” ist auch im Kompendium für den Kita-Bau enthalten und wurde gemeinsam mit der Unfallkasse RLP erstellt.


Hitze als Thema...

Bei 2.800 Kitas in Rheinland-Pfalz, die sich vom ländlichen Raum bis hin in dicht besiedelte Innenstädte verteilen und vom Neubau bis hin zum Gebäude mit Denkmalschutz reichen, gibt es keine einheitlichen Antworten, wie mit konkreten Hitze-Situationen umzugehen ist. Umso mehr gilt es, für jede Kita zu prüfen, welche Maßnahmen jetzt schon möglich sind und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um auch in Hitze-Perioden einen dauerhaften kindergerechten und für das Personal sicheren Einrichtungsbetrieb zu leisten. 

Zum Träger:

Die Kita-Träger sind - gemeinsam mit Ihren Leitungen - unmittelbare Verantwortliche für einen angemessen Hitze-Schutz und auch für die Sicherung eines Kita-Betriebes in Hitze-Perioden. 

Unfallkasse und die pädagogischen Sachbearbeitungen des Landesjugendamtes, aber auch Fachberatungen und andere Stellen können hier unterstützen.

Zum Kita-Beirat:

Der Kita-Beirat ist ein wichtiges Gremium, um die gemeinsamen und unterschiedlichen Verantwortungsbereiche zu besprechen, die Kinderperspektive zu erfahren und Lösungsstrategien zu entwickeln. Auch wenn es in der Zuständigkeit des Kita-Trägers liegt, sich um die hitzegerechte Gestaltung und Ausstattung von Gebäude und Gelände zu kümmern, ist es wichtig, Planungen unter Einbeziehung aller Perspektiven und auch mit Blick auf Organisatorisches umzusetzen. Eltern wiederum kommt die Aufgabe zu, ihr Kind vom Kleiden bis zum Eincremen für einen guten Hitzeschutz auszustatten.

“Planungsphase Null”:

Die “Planungsphase Null” ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer Raumplanung für eine neue Kita - oder auch für anstehende Sanierungen/Erweiterungen/Umbauten. Es ist der Start eines Entwicklungsprozesses, dessen Ergebnis in ein konzeptionelles Modell des zukünftigen Kita-Gebäudes (Flächen, Räume, Organisation) mündet - also in einer Beschreibung der Anforderungen an das zukünftige Gebäude aus pädagogischer Sicht. Hierzu gehört natürlich auch, zu prüfen, was notwendig ist, um auch in Hitze-Perioden einen sicheren Einrichtungsbetrieb zu gewährleisten. 

Das Team für eine “Planungsphase Null” hängt davon ab, welche Räume geplant werden - geht es um eine neue Kita, um einen Ersatzbau oder um eine Erweiterung/Sanierung?

Bei bestehenden Kitas: Kita-Träger (inkl. Verwaltung), Kita-Leitung, Kita-Team (Betreuungspersonal, Hauswirtschaftskräfte…), Fachberatung des Trägers und/oder des Jugendamtes, das örtliche Jugendamt, das Landesjugendamt, der Kita-Elternausschuss, der Kita-Beirat/ die FakiB, Vertretungen aus der Kommune (politische Verantwortliche und Verwaltung), weitere vom Einrichtungsbetrieb betroffene Personengruppen etwa aus dem Quartier, andere Experten. Bei neuen Kitas können und sollten Leitungen und Teammitglieder aus bestehenden Einrichtungen des Trägers eingebunden werden. Alternativ können auch andere Kita-Träger als Input-Geber beteiligt werden. Wichtig ist, dass das “Team der Planungsphase Null” sich in alle Funktionsbereiche eines komplexen Kita-Betriebes einfinden kann.

Daneben finden Sie Informationen zu Hitze auch auf dem Kita-Server

Dort abgelegt sind u.a. auch die Info-Blätter der Unfallkasse für den Umgang mit Hitze in Kita & Schule.

Zum Thema Hitzeschutz, Warnsysteme und zu individuellen Schutzmaßnahmen und Arbeitsschutz finden sich gebündelt unter hitze.rlp.de, der Informationsseite des für Gesundheit zuständigen Landesministeriums, weitere Informationen. Hier verfügbar ist auch der Hitzeaktionsplan des Landes.

Das Land hat in 2024 einen eigenen Hitzeaktionsplan veröffentlicht. Darin finden Sie viele Erläuterungen und Empfehlungen zum Umgang mit Hitze und zum kurz-, mittel- und langfristigen Hitzeschutz. Den Plan können Sie hier einsehen und herunterladen. Die Empfehlungen richten sich primär an die Kommunen, enthalten aber viele allgemein hilfreiche Anregungen. Kurzfristige Maßnahmen sind insbesondere persönliche Handlungsempfehlungen (eincremen, Schatten suchen, lüften etc.). Mittelfristig können eigene Hitzepläne aufgestellt werden und geeignete vorbeugende Maßnahmen zusammengestellt werden oder es kann durch kleinere bauliche Maßnahmen an Gebäuden für bessere Kühlung / Verschattung gesorgt werden. Langfristig kann es darum gehen, auch städtebauliche/ planerisch den Hitzeschutz zu berücksichtigen.  

Ein zentrales Instrument zum kurzfristigen Schutz bei akuter Hitze bietet die frei verfügbare Warn-App des Deutschen Wetter Dienstes (DWD). Über die App (alternativ gibt es einen Newsletter) erhalten Sie tagesaktuelle Warnungen bei Hitzeereignissen. Der DWD hat darüber hinaus auch eigene Empfehlungen für Bürgerinnen und Bürger zum eigenen Schutz vor Hitze herausgegeben. Siehe weiter hier auf der DWD-Homepage.  Der Hitzeaktionsplan des Landes empfiehlt allen Einrichtungen und auch der Bevölkerung im Land, den Warndienst zu abonnieren.

Hitzeaktionspläne werden auf allen Ebenen erstellt und Kita-Träger tragen – gemeinsam mit Eltern und den Kita-Teams – die Verantwortung zum Schutz der Kinder.

Hitzeschutz und Klimawandelfolgenanpassung

Der derzeit stattfindende Klimawandel kennzeichnet sich durch die globale Erwärmung und durch die Zunahme von Extremwetterereignissen: lange und sehr trockene Hitzeperioden im Sommer, erhöhte Wald- oder Flächenbrandgefahr, häufiges Auftreten von lokalen, schwer vorhersagbaren Unwettern. 

Diese Auswirkungen des Klimawandels müssen bei der Auswahl des Baugrundstücks und der Planung von Kitas berücksichtigt werden. Vulnerable Personengruppen (siehe unten) sind besonders von den gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Daher sind besonders Menschen mit Vorerkrankungen, Kinder usw. bei der Maßnahmenableitung zu berücksichtigen. So reagieren Kinder beispielsweise bei Hitze anders als Erwachsene. Kinder schwitzen bis zur Pubertät weniger als Erwachsene. Da weniger Schweiß verdunsten kann, verringert sich bei ihnen die Wärmeabgabe. Gleichzeitig erzeugen Kinder bei körperlichen Anstrengungen im Vergleich zu Erwachsenen aber mehr Stoffwechselwärme. Kann der Körper seine Temperatur nicht mehr ausreichend regulieren, kann dies bei hoher Hitze und übermäßigen Aktivitäten zu Hitzekrämpfen oder Hitzeerschöpfung bis zum Hitzschlag führen. Daher bedürfen gerade Kinder in der Kindertagesbetreuung bei den Maßnahmen zum Hitzeschutz ein besonderes Augenmerk.


Vulnerabel bedeutet hier, dass die genannte Personengruppe durch Hitze körperlich besonders gefährdet ist gegenüber anderen Personengruppen.

Sonnenschutz aus Stoff vor blauem Sommerhimmel

Stand: 10. Juli 2026


Denkbare Maßnahmen im Kita-Bau

Bevorzugt sind bauliche und nötigenfalls technische Maßnahmen anzustreben (Prävention), um die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschen zu eliminieren beziehungsweise zu minimieren. 

Bauliche Maßnahmen sind zum Beispiel Dämmung und wirksame Verschattungsmöglichkeiten an Glasflächen, aber auch Pflanzen zur Kühlung. Im Freien ist die Schaffung von ausreichend beschatteten Arbeits- beziehungsweise Spielflächen eine Lösung zur Minimierung der UV- beziehungsweise Hitzebelastung. Passive, das bedeutet bauliche Maßnahmen, sind hierbei den mit zusätzlichen laufenden Kosten verbundenen technischen Maßnahmen wie Klimatisierung oder Kühlung vorzuziehen, soweit möglich.

Grundsätzlich sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Schutz vor sommerlicher Wärme gehört zu den bei Baumaßnahmen gesetzlich einzuhaltenden Vorgaben (siehe unten). 

  • Vorab sollten die von Aufheizung besonders betroffenen Räume und Gebäudeteile identifiziert und passende Maßnahmen für diese gesucht werden.

  • Eine gute Wärmedämmung hält im Sommer die Hitze draußen und sie verhindert im Winter die Wärmeverluste und senkt somit auch die Heizkosten.

  • Geeignete Sonnenschutzsysteme an Fenstern, Glastüren, Oberlichtern und Glaswänden, wenn an diesen die Sonneneinstrahlung zur Aufheizung der Räume führt:

  • Begrünung von Fassaden und Dächern. 

  • Beschattung durch bauliche Elemente (zum Beispiel Balkone, Vordächer, Lamellen) oder vorliegende Bepflanzungen.

  • Sonnenschutzvorrichtungen, welche die Glasflächen von außen beschatten (Jalousien, Markisen usw.).

  • Im Zwischenraum der Verglasungen angeordnete reflektierende Vorrichtungen.

  • Sonnenschutzverglasungen.

  • Innenliegende hochreflektierende oder helle Sonnenschutzvorrichtungen.

Das „Luftpolster“ zwischen den Blättern einer Bepflanzung kann isolierend wirken (im Sommer kühlend und im Winter wird der Wärmeverlust des Gebäudes reduziert). Zudem führt die Verdunstung der Pflanzen zu einer Abkühlung der umgebenden Luftschichten. Durch die Begrünung wird die Aufheizung von Fassaden und Dächern verringert. Weiter fördert die Bepflanzung die Kaltluftbildung in der Nacht.

Die Beachtung des sogenannten Albedo-Effekts (Maß der Reflexion der Sonneneinstrahlung) verringert die Gebäudeaufheizung im Sommer. Die Farb- und Materialwahl von Fassaden- oder Dachflächen beeinflusst deren Aufheizung bei Sonneneinstrahlung. Schwarze Oberflächen können im Sommer bis zu 80°C heiß werden. Weiße Oberflächen hingegen reflektieren die Sonneneinstrahlung, Gebäude heizen sich nicht so stark auf und das Mikroklima unmittelbar vor der Oberfläche bleibt kühler. Daher sollten Fassaden- oder Dachflächen mit starker Sonneneinstrahlung in möglichst hellen Farben, am besten weiß gestaltet werden. 

Bei der Nachtauskühlung wird Wärme aus den Innenräumen über Fenster oder Lüftungsanlagen nach außen und die kühle Außenluft in die Räume geleitet. Hierzu können beispielsweise automatisch gesteuerte Lichtkuppeln, Dach- und Fassadenfenster genutzt werden. Diese Systeme verfügen über Wettersensoren und veranlassen so das Schließen bei Wind oder Regen. Der Einbruchschutz muss natürlich berücksichtigt werden, ist aber beispielweise durch außenliegende Lüftungsgitter erreichbar.


Technischen Regeln für Arbeitsstätten „Raumtemperatur“ (ASR A3.5); §7 Unfallverhütungsvorschrift „Kindertageseinrichtungen“ (DGUV Vorschrift 82).